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Stressfrei enthornen

Neue Broschüre von Boehringer Ingelheim Vetmedica

Das Enthornen ist alltägliche Praxis in der Rinderhaltung, vorrangig um gegenseitige Verletzungen der Tiere zu vermeiden und um die Sicherheit der Landwirte zu erhöhen. Der Eingriff beeinflusst jedoch aufgrund des damit verbundenen Stresses und der Schmerzen das Verhalten der Tiere und wirkt sich negativ auf ihr Wachstum aus.
Nach §5 Abs. 3 Nr. 2 Tierschutzgesetz ist ein Enthornen ohne Betäubung nur in den ersten sechs Lebenswochen des Kalbes zulässig. Die anfangs weiche Epithelknospe im Bereich der Hornanlage wird mit zunehmendem Alter knorpelig und verknöchert schließlich. Deshalb muss die Enthornung bei möglichst jungen Tieren durchgeführt werden. Als ideal wird die 2. Lebenswoche angesehen, denn bei der Rasur der Hornanlage ist dann schon eine „Knospe“ fühl- und sichtbar. Dieser Ansatz wird durch periphere Blutgefäße ernährt, die so das Wachstum der Hörner ermöglichen.
Die meisten Landwirte wenden die thermische Enthornung an. Dabei wird mit einem elektrischen oder gasgefüllten Enthornungsgerät die Lederhaut um den Hornansatz für wenige Sekunden erhitzt, was die Nährstoffzufuhr am Hornansatz unterbricht und so das Horn nicht mehr wachsen lässt.
Aufgrund neuer Erkenntnisse zum Schmerzempfinden des Kalbes hat sich zum Beispiel Nordrhein-Westfalen als erstes Bundesland dazu entschlossen, dass beim Entfernen der Hornanlage bei Kälbern auch in den ersten Lebenswochen Schmerzmittel eingesetzt werden müssen.



Enthornen tut weh

Die Enthornung kann mehr oder weniger starke und dauerhafte Schmerzen verursachen. Um diese zu lindern, gibt es verschiedene Methoden bzw. Produkte wie etwa Anästhetika, Beruhigungsmittel und nichtsteroidale Entzündungshemmer (NSAID).
Anästhetika hemmen die Übermittlung des Schmerzsignals an das zentrale Nervensystem, das Schmerzempfinden wird herabgesetzt. Diese örtliche Betäubung darf nur vom Tierarzt vorgenommen werden. Die Wirkdauer von Anästhetika ist in der Regel kurz und die Schmerzen, die im Anschluss an die Enthornung auftreten, werden nicht mehr gestillt.
Es gibt Beruhigungsmittel, die der Tierarzt verschreiben kann, um das Kalb während des Eingriffes ruhig zu stellen. Sie erleichtern das Festhalten und die Fixierung.
Eine weitere Möglichkeit ist der Einsatz von nichtsteroidalen Entzündungshemmern (NSAID, Schmerzmittel). Diese Substanzen dürfen vom Landwirt eingesetzt werden, wirken entzündungshemmend und lindern den Schmerz lang andauernd auch nach dem Eingriff. Eine aktuelle Studie* belegt den Nutzen von NSAIDs bei der Enthornung von Kälbern: zwei Gruppen von 30 Holstein-Kuhkälbern im Alter von sechs bis zwölf Wochen wurden thermisch enthornt und bekamen gleichzeitig zusätzlich zur Lokalanästhesie eine Injektion eines Placebos oder eines nichtsteroidalen Entzündungshemmers mit Langzeitwirkung. Die NSAID-Kälber zeigten ein signifikant niedrigeres Schmerzempfinden an der Enthornungsstelle, kehrten schneller zum normalen Fressverhalten zurück und zeigten auch sonst signifikant reduzierte verhaltensspezifische Veränderungen aufgrund der Enthornung wie erhöhte Atemfrequenz oder Ohrenschütteln.

* Heinrich, A. et al., Journal of Dairy Science Vol.92 No. 2, 2009, p. 540-647



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