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Ferkelkastration in der Diskussion

von Dr. Heike Engels



n der Presse wird aktuell die Auswirkung eines möglichen Kastrationsverbots bei Ferkeln diskutiert. Anlass ist das Verbot der Schweiz, das ab 2009 die Kastration ohne Schmerzausschaltung untersagt. Niederländische Supermarktketten wollen vom 1. Januar 2009 an kein Schweinefleisch mehr anbieten, welches von männlichen Schweinen stammt, die bei der Kastration nicht betäubt wurden. Weiter denkt die Europäische Kommission über ein Verbot der Ferkelkastration nach. Zurzeit ist in Deutschland die Kastration von Ferkeln bis zum siebten Lebenstag ohne Betäubung erlaubt. Alternativen zur Kastration gibt es, aber sind diese praktikabel? Mit diesem Thema beschäftigten sich die Teilnehmer des Symposiums der Deutschen Gesellschaft für SchweineGesundheit e.V. (DGSG) in Bakum.

Wenig echte Alternativen

Prof. Dr. Karl-Heinz Waldmann, Direktor der Klinik für kleine Klauentiere der Tierärztlichen Hochschule Hannover, gab einen Überblick über die chirurgischen Kastrationsmöglichkeiten von Ferkeln und deren Alternativen. Ferkel werden kastriert, damit sich der hormonell bedingte typische Ebergeruch des Fleisches nicht ausbildet. Die ohne Betäubung durchgeführte chirurgische Kastration sei heutzutage Standard, so Waldmann. Alternativen wie die genetische Selektion von Rassen mit nur geringem Ebergeruch in Kombination mit der „elektronischen Nase“ am Schlachthof müssten erst auf Machbarkeit getestet werden. Die Immunologische Kastration habe in der EU noch keine Zulassung und das Spermasexing bei Schweinen sei noch nicht praxisreif. Die einzige derzeit schon in einigen Ländern der EU wie England, Irland oder auch Dänemark praktizierte Alternative zur chirurgischen Kastration sei die Ebermast von Schweinen bis zu höchstens 80 kg Lebendgewicht, da die meisten Tiere zu diesem Zeitpunkt noch keinen Ebergeruch gebildet hätten. In Deutschland sei die Ebermast jedoch nicht verbreitet, da besonders die deutschen Verbraucher sehr sensibel auf den Ebergeruch reagierten.
Mit geeigneten Betäubungsmitteln könne jedoch auch weiterhin die chirurgische Kastration praktiziert werden. Die Gabe des Betäubungsmittels sei möglich über Inhalation oder über Injektion, die das Tier komplett betäubt, oder auch nur lokal den Hodensack oder Samenstrang. Statt des früher genutzten Halothangases oder Kohlendioxid-Sauerstoff-Gemischs verwende man heute Isofluran kombiniert mit Lachgas, was eine gute Narkosewirkung und Schmerzausschaltung bewirke. Problematisch sei die Art der Applikation: Das Gasgemisch müsse den Ferkeln konstant und in genauer Dosierung zugeführt werden, um eine gute Narkosewirkung zu erreichen.

Was ist schmerzhaft?

Schwierig ist laut Prof. Waldmann die objektive Beurteilung, ab wann ein Ferkel überhaupt Schmerz empfindet. Die alleinige Lautäußerung des Tieres reiche dazu nicht aus, da manche Ferkel schon schreien würden, obwohl nichts passiert sei, und wieder andere selbst bei vermutlich schmerzhaften Eingriffen ganz ruhig blieben. Prof. Waldmann wies darauf hin, dass Ferkel auch nach der erfolgten Kastration noch Schmerz empfänden. Studien hätten gezeigt, dass die Tiere weniger Schmerz hätten, wenn bei der Kastration ein Schmerzmittel wie etwa das entzündungs- und schmerzhemmende Mittel Meloxicam injiziert wird.


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