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Kälberdurchfall den Kampf ansagen

Kälber mit Durchfall müssen möglichst schnell mit einer Elektrolyttränke und reichlich Flüssigkeit versorgt werden.



Durchfall gehört in den ersten Lebenswochen zu den verlustreichsten Bestandserkrankungen bei Kälbern. Bis zu 50 % der Kälberverluste sind auf Durchfälle zurückzuführen (Kaske, 2007). Von November bis März kann sich das Problem in den Herden sogar massiv im Stall aufschaukeln. „Wir machen alles wie immer“ lautet häufig die Devise – jedoch der Teufel steckt bekanntlich im Detail.
Doch wie kommt es zu derartigem Druck im Stall? Dazu lohnt ein Blick auf die Ursachen. Als wichtigste Erreger kommen Viren (Rota- und Coronaviren), Bakterien (Escheria-Coli Bakterien, Salmonellen, Clostridien) und Parasiten (Kryptosporidien, Kokzidien) in Frage. Bevor allerdings an eine besondere Krankheit gedacht wird, ist es ratsam, die Fütterung und Haltung im „Kindergarten“ des Betriebes genau unter die Lupe zu nehmen. Stress bei der Umstallung in neue Gruppen, ein Futterwechsel sowie kalte Milchtränken sind nur einige Stressfaktoren, die bei den „Kleinen“ Durchfälle verursachen können. So sollte die Tränketemperatur 35 bis 40 °C betragen – Werte, die besonders in den Wintermonaten einzuhalten sind. Ein Tränkethermometer hilft beispielsweise die eigene Hand beim Anrühren „zu eichen“.

Schnelle Kolostrumversorgung

An erster Stelle ist jedoch das Kolostrummanagement zu nennen. Grundsätzlich gilt, je schneller und besser die Kälber mit qualitativ hochwertiger Biestmilch versorgt sind, umso geringer ist das Risiko für eine Erkrankung wie Durchfall. Die Untersuchung der Biestmilch mit einem Kolostrometer macht Sinn, um die Qualität zu prüfen. Ratsam ist es zudem, einen Vorrat an Biestmilch in der Tiefkühltruhe anzulegen – 1 bis 2 Liter Portionen von älteren (!) Kühen sind ein wertvolle Reserve. Dies ist vor allem bei Kälbern aus zugekauften Färsen in Problembetrieben eine gute Hilfe.
Beim Anmelken sollten Milchviehhalter sich vor Augen halten, dass das erste Gemelk für das Kalb quasi einem Impfstoff gleicht. Beträgt die Menge des Erstgemelks mehr als 8,5 Liter, sinkt der Gehalt an Immunglobulinen.
Die großen Immunglobuline, der natürliche Impfstoff der Mutterkuh, gehen innerhalb der ersten Stunden über die noch durchlässige Darmschranke in den Stoffwechsel des Kalbes über. Da viele Kälber länger benötigen, um die Zitzen der Mutter zu finden, sollte das Neugeborene nach dem stimulierenden Ablecken durch die Mutter in einen separaten Stall verbracht und dort vom Landwirten selbst getränkt werden. So lässt sich auch die aufgenommene Milchmenge genau überwachen. Die Darmschranke schließt sich im Laufe die Zeit recht schnell, was dazu führt, dass immer weniger Antikörper der Mutter dem Kalb zur Verfügung stehen. Mit einer optimalen frühen Versorgung des jungen Tieres ist der Grundstein in ein vitales Kälberleben gelegt.



Hygiene ist das A und O

Weiterhin sind Futterumstellungen eine enorme Herausforderung für kleine Kälber. Die Umstellung von der reichhaltigen Biestmilch auf Milchaustauscher kann dem Darm der Tiere zu schaffen machen. Auch die Hygiene rund um die Fütterung spielt eine entscheidende Rolle. So sollten beispielsweise die Sauggummies an den Nuckeleimern regelmäßig gewechselt sowie die Rückschlagventile gründlich mit heißem Wasser und Reinigungsmitteln gereinigt werden.
Ausmisten und Desinfizieren der Boxen ist Pflicht. Der Durchfallkot des Vorgängers an der Boxenwand muss weg. Nur so kann der Erregerdruck klein gehalten werden. Sind Viren die Hauptursache der Durchfälle, ist die Muttertierimpfung ein sinnvolle Maßnahme, um die Biestmilch für das Kalb mit den spezifischen Antikörpern anzureichern.



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Ein akuter Fall von Neugeborenendurchfall kennzeichnet sich durch Flüssigkeitsverlust, einem Ungleichgewicht im Säuren-Basen-Haushalt (Puffersubstanzen) und im Elektrolyt-Status (K, Cl, Na). Ziele der Behandlung sind deshalb der Flüssigkeitsersatz (Rehydratation) und der Ausgleich der metabolischen Acidose im Blut. Liegt ein Kalb fest, ist der Tierarzt mit Infusionen gefordert, diese Parameter wieder herzustellen. Trinkt das Kalb, ist die Aufnahme von Nährstoffen und Wasser gegeben. Hier sollten neben der wertvollen Milch Elektrolyttränken zum Einsatz kommen. Allerdings sind nicht alle Produkte bereits mit Milch mischbar. Ist die Energieversorgung gewährleistet, können diese alternativ in Wasser gemischt werden. Moderne Elektrolyttränken (wie Diakur® Plus) enthalten zusätzlich Energie für das geschwächte Kalb. Darüber hinaus müssen Kälber stets freien Zugang zu frischem Wasser haben.



Kurze Zusammenfassung

Kälberdurchfall ist die wichtigste Erkrankung bei jungen Rindern. Ein optimiertes Kolostummanagement hilft das Auftreten zu minimieren und damit Verluste zu vermeiden. Tritt der Durchfall auf, ist möglichst schnell das Kalb mit einer optimalen Elektrolyttränke und viel Flüssigkeit zu versorgen. Wichtig ist, so schnell wie nur möglich die ersten Anzeichen zu erkennen, um rechtzeitig zu reagieren.




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