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Jede Kälberkrankheit kostet richtig Geld!

Die gesunde Aufzucht von Kälbern ist Voraussetzung für den späteren „Erfolg“ des Tieres. Mit welchen Kosten Kälberkrankheiten verbunden sind, erläutert Bernd Lührmann, von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen.



Erkrankungen der Kälber führen immer wieder zu erheblichen wirtschaftlichen Verlusten. Besonders gefährdet sind Kälber während der Tränkephase, also in den ersten 8 bis 12 Lebenswochen. Hauptproblem in diesem Zeitraum sind Durchfall- oder Atemwegserkrankungen. Aber mit welchen Kosten ist eine Durchfall- bzw. Atemwegserkrankung verbunden?

Erkrankungsraten von bis zu 50 %

Besonders während der Tränkephase sind Kälber sehr empfindlich. Zudem sollen sie in dieser Zeit auch zu Wiederkäuern heranwachsen. Um also das Wachstum und die Entwicklung der Kälber zu fördern und sie zudem Gesund zu erhalten, benötigen sie gerade im genannten Zeitraum neben einer altersgemäßen Unterbringung eine intensive Betreuung und Beobachtung durch den Landwirt sowie hochwertige Futtermittel. Jeder Aufzuchttag kostet, bei Unterstellung von 70 Tagen Tränkedauer, rund 3,40 € je Kalb. In der Praxis werden diese Kosten häufig erheblich unterschätzt! Wenn es dann nicht gelingt die Kälber in der Tränkephase gesund zu erhalten und hohe Tageszunahmen (Absetzgewicht > 95 kg Lebendmasse (LM)) zu realisieren, ist die Fütterung, die Haltung und das Management in der Aufzuchtphase kritisch zu hinterfragen.
In der Praxis sind Erkrankungsraten von 30 bis 50 % der Kälber durchaus anzutreffen. Dadurch wird deutlich, dass gerade in diesem Punkt der Jungviehaufzucht noch erhebliches Potenzial zur Kostensenkung vorhanden ist. Denn jede Kälberkrankheit kostet Geld! So steigen aufgrund einer Erkrankung des Kalbes die Gesunderhaltungskosten (zusätzliche Medikamente und Dienstleistung Tierarzt). Auch die Arbeitserledigungskosten erhöhen sich, weil der Landwirt das erkrankte Tier zur Gesundung wesentlich intensiver betreuen muss. Zudem sind während der Erkrankungsphase des Kalbes die Tageszunahmen reduziert; bei schweren Krankheitsverläufen sind häufig sogar Gewichtsabnahmen möglich. Diese Leistungsdepression des erkrankten Kalbes muss durch eine verlängerte Aufzuchtphase kompensiert werden, um das gleiche Absetzgewicht wie das der gesunden Kälber der Gruppe zu erreichen.

Die Gesamtkosten stets im Blick

In Übersicht 1 sind die Kosten einer Durchfallerkrankung bei schwerem und leichtem Erkrankungsverlauf dargestellt. Dabei sind die Kosten für Medikamente, Elektrolyte sowie für die Dienstleistung des Tierarztes von insgesamt gut 145 € (schwerer Verlauf) bzw. 75 € (leichter Verlauf) für alle Landwirte nachvollziehbar. Allerdings machen diese nur einen Anteil von rund 55 % bzw. 70 % (bei leichten Verlauf) an den Gesamtkosten aus. Der Rest entfällt auf die zusätzlichen Aufzuchtkosten, die Totalverluste sowie der Entlohnung für die extra Arbeitszeit zur Gesundung des Kalbes durch den Landwirt. Gerade diese Kostenpositionen werden häufig unterschätzt, weil sie für den Betriebsleiter nicht direkt sichtbar (zahl bar) sind. So werden beispielsweise die Kosten des Totalverlustes eines Kalbes oftmals zu gering bewertet. Dabei sind der Wert des Kalbes (Ø 250 €/Kalb) sowie die bis zum Tod des Kalbes entstandenen Aufzuchtkosten zu berücksichtigen. Insgesamt summieren sich diese auf knapp 370 €/ verendetes Kalb und führen anteilig zu Krankheitskosten von 48 € bei einer schweren Durchfallerkrankung (gut 7 € bei leichtem Verlauf).
Da jede Erkrankung auch mit einer Leistungsminderung einhergeht, müssen nachfolgend auch die geringeren Tageszunahmen einkalkuliert werden. Ein gesundes Kalb erreicht im Durchschnitt der Tränkephase tägliche Zunahmen von 800 g. Bei einer schweren Durchfallerkrankung werden dagegen nur knapp 700 g tägliche Zunahmen realisiert, weil das Kalb während der Erkrankung 7,2 kg LM weniger zunimmt. Selbst bei einer leichten Durchfallerkrankung reduzieren sich die Tageszunahmen (TGZ) um knapp 50 g gegenüber einem gesunden Kalb (3,2 kg LM weniger). Diese geringere LM-Zunahme bedeutet eine Verlängerung der Aufzuchtphase, damit das erkrankte Kalb das gleiche Absetzgewicht erreicht wie ein gesundes. Somit verlängert sich die Aufzuchtphase bei einer schweren Durchfallerkrankung um neun Tage, was zusätzliche Aufzuchtkosten von gut 30 € nach sich zieht. Bei einem leichten Erkrankungsverlauf summieren sich diese auf knapp 14 € (4 Tage). Gerade die zusätzlichen Aufzuchttage und -kosten, aufgrund der geringeren Tageszunahme des Kalbes während der Krankheit, werden selten berücksichtigt. Auch die zusätzliche Arbeitszeit des Landwirtes für die Betreuung des erkrankten Kalbes wird oftmals unterschätzt bzw. die Arbeitserledigungskosten dafür nicht kalkuliert. Dabei sind gerade bei einer schweren Durchfallerkrankung schnell bis zu drei Stunden für die Betreuung, Pflege und Kontrolle des „Patienten“ notwendig. Daraus ergeben sich bei einer Stundenentlohnung von 15 € zusätzliche Arbeitserledigungskosten von 37,50 €. Insgesamt ist also eine schwere Durchfallerkrankungen mit Kosten von gut 260 € verbunden. Im Vergleich dazu entstehen bei einem leichten Erkrankungsverlauf „nur“ Kosten von 108 €.



Atemwegserkrankungen

Im Gegensatz zu Durchfallerkrankung sind bei Atemwegserkrankungen die Kosten nicht ganz so hoch. Zudem führt der Krankheitsverlauf vielfach nicht zu so starken Einbußen der TGZ. So werden bei einer Erkrankung mit leichtem Krankheitsverlauf noch TGZ von knapp 770 g – bei einem schweren Verlauf von rund 720 g – im Durchschnitt der Tränkephase erreicht. Deshalb reicht eine Verlängerung der Aufzuchtphase von drei bzw. sieben Tagen (schwerer Verlauf) bereits aus, um diese Gewichtsdifferenz im Vergleich zu gesunden Kälbern zu kompensieren. Zudem sind gerade bei einer schweren Atemwegskrankheit die zusätzliche Arbeitszeit und damit auch die zusätzlichen Arbeitskosten deutlich geringer als bei einer Durchfallerkrankung. Das ist auf die geringere Kontroll- und Behandlungsintensität des Landwirts bei einer Atemwegserkrankung zurückzuführen. Allerdings sind die Kosten für Medikamente und die Dienstleistung des Tierarztes bei einer schweren Erkrankung höher – bei leichtem Verlauf geringer – als bei der Durchfallerkrankung. Dabei ist die mögliche Vorschädigung der Atemwege (Lunge, Bronchien) und die daraus resultierende spätere Leistungsdepression des Tieres nicht berücksichtigt.

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Kleine Maßnahmen mit großer Wirkung

In der zweiten Übersicht sind die jährlichen Krankheitskosten der Kälber in Abhängigkeit der Erkrankungshäufigkeit und der Anzahl jährlich aufgezogener Kälber dargestellt. Dabei wurden die Gesamtkosten der jeweiligen Durchfall- und Atemwegserkrankung im Durchschnitt berücksichtigt. Zudem wurde davon ausgegangen, dass 40 % der Erkrankungen einen schweren Verlauf aufweisen. So summieren sich die Krankheitskosten bei 45 aufgezogenen Kälbern pro Jahr und einer Erkrankungsrate von 60 % auf gut 4290 €. Gelingt es dem Betriebsleiter die Erkrankungsrate auf 25 % zu senken, so verringern sich die Krankheitskosten insgesamt auf knapp 1790 € pro Jahr.
Dies kann bereits durch vergleichsweise kleine Maßnahmen erreicht werden. So führen eine intensivere Betreuung, eine bessere Erstversorgung der frisch geborenen Kälber, gezielte Präventivmaßnahmen (Impfungen), ein konsequentes Hygienemanagement (Rein-Raus-Prinzip) sowie eine optimierte Haltungsumwelt zu einer Verringerung der Erkrankungsrate. Zur Umsetzung dieser Maßnahmen (zusätzliche Arbeitserledigungs- und Gebäudekosten sowie höherer Verbrauch an Reinigungs- und Desinfektionsmitteln) steht dem genannten Betrieb der eingesparte Betrag von gut 2500 € zur Verfügung.
Generell kann jedoch davon ausgegangen werden, dass eine Reduktion der Erkrankungsrate einen erheblich höheren Wert besitzt, als in Übersicht 2 errechnet wurde. Denn Kälberkrankheiten erhöhen, aufgrund der krankheitsbedingten Vorschädigung, das Abgangsrisiko des Tieres während der weiteren Haltung. Gravierender sind allerdings die dadurch entstehenden negativen Auswirkungen auf das spätere Leistungsvermögen des Tieres. Besonders bei Atemwegserkrankungen kommt es zu einer erheblichen Vorschädigung der Lungen des Kalbes, wodurch die spätere Milchleistung des Tieres negativ beeinflusst wird.
Somit muss zu den genannten Krankheitskosten auch zumindest die Ertragsminderung, aufgrund der Vorschädigung des Tieres, mit der daraus resultierenden Milchleistungsdepression, hinzu addiert werden.
Eine Milchleistungsdepression von 5 % führt zu einer um 1500 kg geringeren Lebensleistung (bei erwarteten 30 000 kg Milch Lebensleistung). Der daraus resultierende Ertragsverlust summiert sich auf immerhin 225 € (bei einem Grenznutzen von 0,15 €/kg Milch). Ist beispielsweise diese Leistungsdepression der Kuh auf eine schwere Atemwegserkrankung im Kalbesalter zurück zuführen, so schlägt diese Erkrankung mit Gesamtkosten von 459 € (234 € Krankheitskosten + 225 € Leistungsdepression) zu Buche.

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Was bleibt festzuhalten?

Die Kosten einer Kälberkrankheit betragen, je nach Krankheit und Schwere des Verlaufes, mindestens zwischen 90 € und 265 €. Darin sind mögliche spätere Leistungsdepressionen durch die Vorschädigung des Tieres nicht berücksichtigt. Gelingt es durch konsequentes Management und gezielte, betriebsindividuelle Maßnahmen die Erkrankungsrate der Kälber bzw. den Anteil schwerer Erkrankungen zu reduzieren, führt dieses zu einer erheblichen Kostenentlastung des Betriebes.

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