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Erkrankungen der Kälber führen immer wieder zu
erheblichen wirtschaftlichen Verlusten. Besonders
gefährdet sind Kälber während der Tränkephase,
also in den ersten 8 bis 12 Lebenswochen. Hauptproblem
in diesem Zeitraum sind Durchfall- oder
Atemwegserkrankungen. Aber mit welchen Kosten
ist eine Durchfall- bzw. Atemwegserkrankung verbunden?
Besonders während der Tränkephase sind Kälber
sehr empfindlich. Zudem sollen sie in dieser Zeit
auch zu Wiederkäuern heranwachsen. Um also das
Wachstum und die Entwicklung der Kälber zu fördern
und sie zudem Gesund zu erhalten, benötigen
sie gerade im genannten Zeitraum neben
einer altersgemäßen Unterbringung eine
intensive Betreuung und Beobachtung
durch den Landwirt sowie hochwertige
Futtermittel. Jeder Aufzuchttag kostet, bei
Unterstellung von 70 Tagen Tränkedauer, rund
3,40 € je Kalb. In der Praxis werden diese Kosten
häufig erheblich unterschätzt! Wenn es dann nicht
gelingt die Kälber in der Tränkephase gesund zu
erhalten und hohe Tageszunahmen (Absetzgewicht
> 95 kg Lebendmasse (LM)) zu realisieren, ist die
Fütterung, die Haltung und das Management in der
Aufzuchtphase kritisch zu hinterfragen.
In der Praxis sind Erkrankungsraten von 30 bis
50 % der Kälber durchaus anzutreffen. Dadurch
wird deutlich, dass gerade in diesem Punkt der
Jungviehaufzucht noch erhebliches Potenzial zur
Kostensenkung vorhanden ist. Denn
jede Kälberkrankheit kostet Geld! So
steigen aufgrund einer Erkrankung des
Kalbes die Gesunderhaltungskosten
(zusätzliche Medikamente und
Dienstleistung Tierarzt). Auch die
Arbeitserledigungskosten erhöhen
sich, weil der Landwirt das erkrankte
Tier zur Gesundung wesentlich
intensiver betreuen muss. Zudem sind während der
Erkrankungsphase des Kalbes die Tageszunahmen
reduziert; bei schweren Krankheitsverläufen sind
häufig sogar Gewichtsabnahmen möglich. Diese
Leistungsdepression des erkrankten Kalbes muss durch eine verlängerte Aufzuchtphase kompensiert
werden, um das gleiche Absetzgewicht wie das der
gesunden Kälber der Gruppe zu erreichen.
In Übersicht 1 sind die Kosten einer Durchfallerkrankung
bei schwerem und leichtem Erkrankungsverlauf dargestellt.
Dabei sind die Kosten für Medikamente,
Elektrolyte sowie für die Dienstleistung des Tierarztes
von insgesamt gut 145 € (schwerer Verlauf) bzw.
75 € (leichter Verlauf) für alle Landwirte nachvollziehbar.
Allerdings machen diese nur einen Anteil
von rund 55 % bzw. 70 % (bei leichten Verlauf) an
den Gesamtkosten aus. Der Rest entfällt auf die
zusätzlichen Aufzuchtkosten, die Totalverluste sowie
der Entlohnung für die extra Arbeitszeit
zur Gesundung des Kalbes durch den
Landwirt. Gerade diese
Kostenpositionen werden
häufig unterschätzt, weil sie für den Betriebsleiter nicht
direkt sichtbar (zahl bar) sind. So
werden beispielsweise die Kosten
des Totalverlustes eines Kalbes oftmals
zu gering bewertet. Dabei sind
der Wert des Kalbes (Ø 250 €/Kalb)
sowie die bis zum Tod des Kalbes
entstandenen Aufzuchtkosten zu
berücksichtigen. Insgesamt summieren
sich diese auf knapp 370 €/
verendetes Kalb und führen anteilig
zu Krankheitskosten von 48 € bei
einer schweren Durchfallerkrankung
(gut 7 € bei leichtem Verlauf).
Da jede Erkrankung auch mit einer
Leistungsminderung einhergeht,
müssen nachfolgend auch die
geringeren Tageszunahmen einkalkuliert
werden. Ein gesundes
Kalb erreicht im Durchschnitt der
Tränkephase tägliche Zunahmen
von 800 g. Bei einer schweren
Durchfallerkrankung werden dagegen nur knapp 700 g
tägliche Zunahmen realisiert, weil das Kalb während
der Erkrankung 7,2 kg LM weniger zunimmt. Selbst
bei einer leichten Durchfallerkrankung reduzieren sich
die Tageszunahmen (TGZ) um knapp 50 g gegenüber
einem gesunden Kalb (3,2 kg LM weniger). Diese
geringere LM-Zunahme bedeutet eine Verlängerung
der Aufzuchtphase, damit das erkrankte Kalb das gleiche
Absetzgewicht erreicht wie ein gesundes. Somit
verlängert sich die Aufzuchtphase bei einer schweren
Durchfallerkrankung um neun Tage, was zusätzliche
Aufzuchtkosten von gut 30 € nach sich zieht. Bei
einem leichten Erkrankungsverlauf summieren sich diese auf knapp 14 € (4 Tage). Gerade die zusätzlichen
Aufzuchttage und -kosten, aufgrund der geringeren
Tageszunahme des Kalbes während der Krankheit,
werden selten berücksichtigt. Auch die zusätzliche
Arbeitszeit des Landwirtes für die Betreuung des
erkrankten Kalbes wird oftmals unterschätzt bzw. die
Arbeitserledigungskosten dafür nicht kalkuliert. Dabei
sind gerade bei einer schweren Durchfallerkrankung
schnell bis zu drei Stunden für die Betreuung, Pflege
und Kontrolle des „Patienten“ notwendig. Daraus ergeben
sich bei einer Stundenentlohnung von 15 € zusätzliche
Arbeitserledigungskosten von 37,50 €. Insgesamt
ist also eine schwere Durchfallerkrankungen mit Kosten von gut 260 € verbunden. Im Vergleich dazu entstehen
bei einem leichten Erkrankungsverlauf „nur“ Kosten
von 108 €.

Im Gegensatz zu Durchfallerkrankung sind bei
Atemwegserkrankungen die Kosten nicht ganz so
hoch. Zudem führt der Krankheitsverlauf vielfach nicht
zu so starken Einbußen der TGZ. So werden bei einer
Erkrankung mit leichtem Krankheitsverlauf noch TGZ
von knapp 770 g – bei einem schweren Verlauf von
rund 720 g – im Durchschnitt der Tränkephase erreicht.
Deshalb reicht eine Verlängerung der Aufzuchtphase
von drei bzw. sieben Tagen (schwerer Verlauf) bereits
aus, um diese Gewichtsdifferenz im Vergleich zu
gesunden Kälbern zu kompensieren. Zudem sind
gerade bei einer schweren Atemwegskrankheit die
zusätzliche Arbeitszeit und damit auch die zusätzlichen
Arbeitskosten deutlich geringer als bei einer
Durchfallerkrankung. Das ist auf die geringere Kontroll-
und Behandlungsintensität des Landwirts
bei einer Atemwegserkrankung zurückzuführen.
Allerdings sind die Kosten für Medikamente und
die Dienstleistung des Tierarztes bei einer schweren
Erkrankung höher – bei leichtem Verlauf geringer – als
bei der Durchfallerkrankung. Dabei ist die mögliche
Vorschädigung der Atemwege (Lunge, Bronchien) und
die daraus resultierende spätere Leistungsdepression
des Tieres nicht berücksichtigt.

In der zweiten Übersicht sind die jährlichen
Krankheitskosten der Kälber in Abhängigkeit der
Erkrankungshäufigkeit und der Anzahl jährlich
aufgezogener Kälber dargestellt. Dabei wurden
die Gesamtkosten der jeweiligen Durchfall- und
Atemwegserkrankung im Durchschnitt berücksichtigt.
Zudem wurde davon ausgegangen, dass 40 % der
Erkrankungen einen schweren Verlauf aufweisen. So
summieren sich die Krankheitskosten bei 45 aufgezogenen
Kälbern pro Jahr und einer Erkrankungsrate von
60 % auf gut 4290 €. Gelingt es dem Betriebsleiter
die Erkrankungsrate auf 25 % zu senken, so verringern
sich die Krankheitskosten insgesamt auf knapp
1790 € pro Jahr.
Dies kann bereits durch vergleichsweise kleine
Maßnahmen erreicht werden. So führen eine intensivere
Betreuung, eine bessere Erstversorgung
der frisch geborenen Kälber, gezielte Präventivmaßnahmen
(Impfungen), ein konsequentes
Hygienemanagement (Rein-Raus-Prinzip) sowie eine
optimierte Haltungsumwelt zu einer Verringerung der
Erkrankungsrate. Zur Umsetzung dieser Maßnahmen
(zusätzliche Arbeitserledigungs- und Gebäudekosten
sowie höherer Verbrauch an Reinigungs- und
Desinfektionsmitteln) steht dem genannten Betrieb der
eingesparte Betrag von gut 2500 € zur Verfügung.
Generell kann jedoch davon ausgegangen werden,
dass eine Reduktion der Erkrankungsrate einen
erheblich höheren Wert besitzt, als in Übersicht 2
errechnet wurde. Denn Kälberkrankheiten erhöhen,
aufgrund der krankheitsbedingten Vorschädigung,
das Abgangsrisiko des Tieres während der weiteren
Haltung. Gravierender sind allerdings die dadurch
entstehenden negativen Auswirkungen auf das
spätere Leistungsvermögen des Tieres. Besonders
bei Atemwegserkrankungen kommt es zu einer
erheblichen Vorschädigung der Lungen des Kalbes,
wodurch die spätere Milchleistung des Tieres negativ
beeinflusst wird.
Somit muss zu den genannten Krankheitskosten
auch zumindest die Ertragsminderung, aufgrund der
Vorschädigung des Tieres, mit der daraus resultierenden
Milchleistungsdepression, hinzu addiert werden. Eine Milchleistungsdepression von 5 % führt zu einer
um 1500 kg geringeren Lebensleistung (bei erwarteten
30 000 kg Milch Lebensleistung). Der daraus resultierende
Ertragsverlust summiert sich auf immerhin
225 € (bei einem Grenznutzen von 0,15 €/kg Milch).
Ist beispielsweise diese Leistungsdepression der Kuh
auf eine schwere Atemwegserkrankung im Kalbesalter
zurück zuführen, so schlägt diese Erkrankung mit
Gesamtkosten von 459 € (234 € Krankheitskosten +
225 € Leistungsdepression) zu Buche.

Die Kosten einer Kälberkrankheit betragen, je nach
Krankheit und Schwere des Verlaufes, mindestens
zwischen 90 € und 265 €. Darin sind mögliche spätere
Leistungsdepressionen durch die Vorschädigung
des Tieres nicht berücksichtigt. Gelingt
es durch konsequentes Management und gezielte,
betriebsindividuelle Maßnahmen die Erkrankungsrate
der Kälber bzw. den Anteil schwerer Erkrankungen
zu reduzieren, führt dieses zu einer erheblichen
Kostenentlastung des Betriebes.

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