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In Ruhwarden im Butjadinger Land (Niedersachsen
an der Nordseeküste) bewirtschaftet Hans-
Bernd Rüscher mit seiner Frau Freya einen
Milchviehbetrieb. Sie melken etwa 200 Kühe im
Stammbetrieb, wo auch die Kälber untergebracht
sind. Die Milchleistung liegt bei etwa 10 000 kg je
Kuh und Jahr.
Auf jedem Milchviehbetrieb gilt es, individuelle
Herausforderungen zu meistern. Bei Familie Rüschers
ist dies vor allem der Zeitfaktor. „Wir hatten bisher
zwar 400 €-Kräfte, aber diese haben nur dann Zeit,
wenn es ihr Hauptberuf zulässt, sie sind nicht flexibel
genug,“ berichtet Freya Rüscher.
Außerdem stocken die Rüschers zurzeit den Bestand
auf, allein im vergangenen Winter kamen 50 Kühe
dazu. 2002 bauten sie einen neuen Boxenlaufstall für
165 Kühe mit Wartehof.
Viel Zeit investiert Hans-Bernd Rüscher in die
Betreuung der Herde. „Ich schaue beim Melken
immer ganz genau, wie es den Kühen geht, das
dauert schon seine Zeit. Aber an der Tierbetreuung
darf man nicht sparen.“ Wie auf fast jedem Betrieb
ist auch Mastitis ein Thema. „Ja, wir haben häufiger
mal eine Mastitiskuh, allerdings sind es oft die selben
Tiere, vor allem Kühe, die nicht gut ausmelken. Die
Tiere, die ich gerade behandle, sind seit dem Winter
schon zum zweiten oder dritten Mal dran.“
Das Hauptauftreten von Mastitis ist im Frühjahr, wenn
es auf die Weide geht, und dann wieder im Herbst.
„Das hat eindeutig etwas mit dem Futterwechsel zu
tun“, erklärt der betreuende Tierarzt Dr. Franz-Josef
Siepelmeyer und weiter: „Gleichzeitig ist es ein
Zeichen dafür, dass latent etwas vorliegt. Es reagieren
bei Stress jeglicher Art immer die Kühe, die eine
subklinische Mastitis haben. Sie haben Erreger im
Euter, ohne dass es vorher klinisch sichtbar ist, und
auch die bereits behandelten Tiere halten die Erreger
im Euter ‚versteckt‘. Zusätzlichen Stress haben die
Kühe, weil der Stall momentan durch die Aufstockung
überbelegt ist. Aufgrund der Aufstockung trennen
sich die Rüschers jedoch nur ungern von den sogenannten
Wiederholungstätern.
Mastitisfälle behandelt Hans-Bernd Rüscher mit dem
neuen Kombiotikum von Boehringer Ingelheim, das
seit Anfang 2009 auf dem Markt ist. Akute Fälle werden
zusätzlich mit einem systemischen Penicillin therapiert.
„Seitdem wir den neuen Euterinjektor nutzen,
haben wir weniger schwere Fälle, so dass wir nicht so
häufig zur Penicillin-Spritze greifen müssen“, erzählt
Freya Rüscher.
Dabei achten Rüschers darauf, so lange zu behandeln,
bis die Symptome komplett verschwunden sind.
„Dann sind alle Flocken weg und die Schwellung
auch“, erzählt der Betriebsleiter zufrieden. Am liebsten
behandelt er abends, weil das Präparat dann bis zum
Morgenmelken länger einwirken kann. Außerdem findet
er das Euterpenicillin sehr anwenderfreundlich, da
sich die Tube schnell ausdrücken lässt.
Rüschers achten besonders auf die Melkhygiene
und waschen sich immer die Hände, nachdem sie
eine Kuh mit Flocken behandelt haben. Probleme in
der Melkmaschine – häufig ein Grund für Mastitis –
beheben sie sofort. Und doch könnte er in der
Mastitisprophylaxe noch so einiges verbessern, meint
Hans-Bernd Rüscher selbstkritisch: „Wir dippen
nicht. Die Boxenhygiene könnten wir optimieren, im
Sommer haben wir für die Boxen nur wenig Zeit, wir
streuen ein Mal die Woche mit Stroh ein. Eventuell
desinfizieren wir demnächst mit Kalk.“
Die grundlegenden Verbesserungen wie ein neuer
Melkstand und die Laufstallerweiterung müssen erstmal
noch warten. „Bei dem aktuellen Milchgeld sind
keine großen Sprünge drin“, weiß Freya Rüscher.
Allerdings beschäftigt die Landwirtsfamilie jetzt eine
feste Ganztags-Arbeitskraft, was zumindest die
Arbeitssituation schonmal deutlich entspannt.
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Tierarzt Siepelmeyer kennt die
Probleme wachsender Betriebe.
„Wenn Landwirte wie die Rüschers
trotz der Wachstumsschritte weiter ein
hohes Leistungsniveau halten können,
kommt das nicht von allein. Das geht
nur mit vollem Einsatz und dann liegen
die Familien arbeitszeitmäßig immer
am Limit. Bei Mastitisproblemen ist an
vielen Einflussfaktoren zu drehen, die
Fütterung muss super sein, ebenso
die Haltung und die Boxenhygiene.
Wenn es dann aber an Arbeitszeit
mangelt, kommt hier häufig vieles zu
kurz, und das merkt man schnell bei
der Eutergesundheit.
Außerdem fehlt es nicht selten an der not -
wendigen Konsequenz bei der Mastitisbehandlung.
Es gibt gute Präparate, allerdings wird
oft zu kurz behandelt, und eigentlich müssten
auch alle Euterviertel behandelt werden. Gerade
bei Staphylococcus aureus und Streptococcus
uberis geht es darum, ausreichend lange zu
behandeln, bei diesen Problemkeimen mindestens
fünf Tage.
Seit Anfang 2009 setze ich in meiner
Praxis das neue Kombiotikum
von Boehringer Ingelheim ein. Am
Anfang war ich skeptisch, ob es diesen
Synergismus zwischen den beiden antibiotischen
Wirkstoffen tatsächlich gibt.
Doch die Rückmeldungen seitens der
Landwirte sprechen dafür. Die Wartezeit
beträgt fünf Tage auf Milch und zehn
Tage auf essbares Gewebe, was im
üblichen Rahmen liegt. Praktisch sind
solche Breitband-Antibiotika, weil sie
sowohl gegen gram-positive als auch
gram-negative Erreger wirken. Damit
sind sie ideal einsetzbar, wenn ich bei
einer akuten Mastitis noch nicht weiß,
welcher Erreger beteiligt ist.
Verabschieden müssen wir uns wohl von dem
Gedanken, dass man Mastitis allein mit neuen
Ställen und moderner Melktechnik loswerden kann.
Ziel sollte es sein, die Infektion zu verhindern. Und
da müssen wir an viele Faktoren ran – Mensch,
Kuh, Erreger und Umwelt. Wenn es gelingt, den
Zellgehalt dauerhaft unter 150 000 Zellen/ml Milch
zu halten, ist schon viel erreicht.“
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