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Euterentzündungen sind seit vielen Jahren ein sehr
wichtiger Grund für die vorzeitige Schlachtung von
Milchkühen. Dazu kommen die Behandlungskosten
und die Verluste durch verminderte Milchleistung
mit steigendem Milchzellgehalt. Grund genug, das
erkrankte Euter schnell und gründlich zu behandeln.
Doch welcher Keim ist jeweils verantwortlich für
Mastitis? Für eine effektive Therapie ist das Wissen
um den verursachenden Erreger das A und O.
Um zu erfahren, welche Mastitiserreger häufig
vorkommen, wurden deshalb in einer breit angelegten
Milchprobenuntersuchung von Januar bis November
2010 Proben aus ganz Deutschland auf die darin
enthaltenen Mastitiserreger untersucht. Es handelte
sich bei den Proben um Mastitisfälle aus der Praxis
inklusive vorbehandelter und chronisch erkrankter
Tiere. Die Diagnostik und Empfindlichkeitsprüfung
erfolgte durch die MBFG Wunstorf (Agardiffusionstest
gem. DIN 58940). Insgesamt 1287 Ergebnisse
konnten ausgewertet werden. Es zeigte sich, dass die
fünf häufigsten Mastitiserreger Streptococcus uberis,
Staphylococcus aureus, E. coli, Strep. dysgalactiae
und Koagulasenegative Staphylokokken (KNS)
zusammen über 66 % aller Untersuchungsergebnisse
ausmachen.

Streptococcus uberis (Strep. uberis) zählt weltweit
zu den bedeutendsten Mastitiserregern. Aktuelle
Untersuchungsergebnisse aus Deutschland
belegen: Fast jeder vierte nachgewiesene Erreger
in Milchproben aus der Routinediagnostik ist Strep.
uberis. Das Hauptreservoir von Strep. uberis ist die
Umgebung der Kuh. Ein hohes Infektionsrisiko besteht
vor allem in den Zwischenmelkzeiten. Neuere Studien haben allerdings nachgewiesen, dass Strep. uberis
auch wie ein kontagiöser Mastitiserreger von Kuh
zu Kuh übertragen werden kann. Auch noch nicht
abgekalbte Färsen sowie trockenstehende Kühe sind
stark infektionsgefährdet. Tatsächlich entstehen über
30 % der Infektionen mit diesem Erreger in der
Trockenstehphase. Über die Hälfte der Viertel, die sich
während der Trockenstehzeit mit Strep. uberis infizieren,
entwickeln in den ersten 100 Tagen der Laktation
eine klinische Mastitis. Eine instabile Stoffwechsellage
begünstigt die Entstehung einer Infektion. Solche
kritischen Phasen bestehen bei Hochleistungstieren
z. B. in der Frühlaktation bei negativer Energiebilanz.
Nicht immer sind latente Pansenazidosen und Ketosen
sicher zu vermeiden. Aber gerade dann werden gehäuft
Uberis-Mastitiden beobachtet. Auf eine leistungsund
wiederkäuergerechte Fütterung muss unbedingt
geachtet werden. Bei der Haltung gilt der Grundsatz:
Sauber, trocken, kühl und bequem. Strep. uberis
besitzt eine starke Affinität zu Stroh. Deshalb bergen
z. B. Tiefstreuställe ein besonders hohes Infektionsrisiko.
Einfaches Überstreuen kann den Infektionsdruck
nicht wirkungsvoll senken! Hierzu sind regelmäßiges
Ausmisten, Reinigen und Desinfizieren nötig.
Da Strep. uberis sehr sensibel gegenüber Penicillin
reagiert, sollte auch der Trockensteller diesen Wirkstoff
beinhalten. Die Kombination von Penicillin mit
Framycetin (trivalenter Trockensteller von Boehringer
Ingelheim) bietet dabei ein breites Wirkspektrum,
das auch weitere Erreger mit erfasst. In Betrieben,
in denen die Hygiene im Trockensteherbereich nicht
optimiert werden kann, ist auch der kombinierte
Einsatz des Trockenstellers mit einem Zitzenversiegler
möglich. Denn das Infektionsrisiko für Strep. uberis
ist besonders hoch in Zitzen, in denen der Aufbau
des internen Keratinpfropfes nur verzögert oder gar
nicht abläuft.
Begleitende Maßnahmen sind auch sinnvoll, z.B. die
Boxenhygiene. Saubere Kühe mit sauberen Eutern
haben ein geringeres Risiko, sich mit Umwelterregern
zu infizieren. Gut gepflegte und richtig dimensionierte
Liegeboxen müssen regelmäßig mit ausreichend
trockener Einstreu versehen werden. Beimengungen
von Kalk (pH > 9) führen zu einer Reduktion des
Keimdruckes. Saubere Laufgänge vermindern
deutlich den Schmutzeintrag in die Liegeboxen.
Auch das Entfernen der Haare am Euter, z.B.
durch scheren oder abflammen, vereinfacht das
Sauberhalten. Ein gutes Stallklima verringert
die Vermehrungschancen für die Umwelterreger
und fördert die Futteraufnahme und damit die
Stoffwechselstabilität bei den Kühen.
Da Strep. uberis nach neueren Erkenntnissen auch
von Kuh zu Kuh übertragen werden kann, sind
entsprechende Vorkehrungen zu treffen, damit dies
so wenig wie möglich geschieht:
• Die Kühe sollen mit sauberen Eutern zum Melken
kommen. Eventuell Predip oder desinfizierende
Reinigung nutzen.
• Hyperkeratosen begrenzen – Blindmelken vermeiden
und für eine ausreichende Pflege der Zitzenhaut
sorgen. Starke Hyperkeratosen beeinträchtigen den
Verschluss des Zitzenkanals und ermöglichen so ein
leichteres Eindringen der Keime.
• Einsatz von pflegenden und desinfizierenden
Dippmitteln (Jod oder Chlordioxid in ausreichenden
Konzentrationen).
• Die Kühe nach dem Melken für mindestens eine
halbe Stunde stehen lassen (Vorlage frischen Futters).
So kann sich der Strichkanal wieder schließen.
• Bei Roboterbetrieben auf eine Mindestzwischenmelkzeit
von sechs Stunden achten, um eine
ausreichende Regeneration des Schließmuskels zu
gewährleisten.
• Nicht einseitig auf Leichtmelkbarkeit züchten!

Eine klinische Strep. uberis Mastitis muss schnell und
ausreichend lange therapiert werden. Nur so kann
eine dauerhafte Schädigung des Drüsengewebes
verhindert und die Gefahr späterer Neuinfektionen
reduziert werden. Die erste Behandlung ist die
wichtigste. Eine begleitende Oxytocingabe ist bei
diesen Mastitiden NICHT sinnvoll! Neue Studien
haben gezeigt, dass dadurch die Heilungsraten
sogar verringert werden, vermutlich weil Strep.
uberis durch Oxytocin zu häufiger Teilung angeregt wird. Ein ähnlich negativer Effekt wird bei diesem
Mastititserreger beobachtet, wenn die Behandlung
mit häufigem Ausmelken begleitet wird. Klinische
Uberis-Mastitiden verlaufen oft mit ungestörtem
Allgemeinbefinden und mit kaum gestörter Blut-
Euter-Schranke. Wichtig ist hier der Einsatz eines
Wirkstoffes, der auch die intakte Blut-Euter-Schranke
passieren kann. Streptokokken, auch Strep. uberis,
sind i.d.R. sehr sensibel gegenüber Penicillin.
Die schwache Base Penethamathydroiodid, ein
Penicillinester, kann die intakte Blut-Euter-Schranke
durchdringen. Auf diese Weise reichert sich das
Penicillin in der Milch und im Eutergewebe an.
Ein weiterer Vorteil der Injektionsbehandlung:
Häufig sind neben dem klinisch erkrankten Viertel
weitere Viertel subklinisch betroffen. Der Einsatz
von eutergängigem Penethamathydroiodid per
Injektion behandelt auch diese Viertel erfolgreich
mit. So haben diese Viertel ein geringeres Risiko,
eine klinische Episode zu entwickeln. Zusätzlich zu
der parenteralen Gabe (per Injektion) sollte einmal
täglich ein breit wirksames Antibiotikum über den
Zitzenkanal verabreicht werden, um auch andere
Erreger abzudecken (z. B. das Kombiotikum von
Boehringer Ingelheim – dieses muss nur einmal
täglich verabreicht werden).
Da Strep. uberis das Eutergewebe stark schädigt,
besteht ein erhöhtes Risiko für hohe Zellzahlen
auch nach der Abtötung der Bakterien durch die
antibiotische Therapie. Der einmalige ergänzende
Einsatz eines modernen Entzündungshemmers
(Meloxicam) in der Mastitistherapie führt zu einer
besseren Ausheilung mit weniger Zellen in der Milch.
Strep. uberis hat sich zum häufigsten Mastitiskeim in
Deutschland entwickelt. Er führt binnen sehr kurzer
Zeit zu einer Schädigung des Eutergewebes. Auch
nach vollständiger bakteriologischer Heilung bleiben
die Zellzahlen der betroffenen Kühe häufig erhöht.
Deswegen muss ein erkranktes Euterviertel so schnell
wie möglich gründlich und umfassend behandelt
werden. Um die Probleme im Bestand langfristig zu
beherrschen, sind eine ausgewogene Fütterung und
begleitende Maßnahmen wie Boxen- und Melkhygiene
unerlässlich.

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