Home
Home



Aktuelle Ausgabe
     Ausgabe bestellen




Home

Schwachstellen im Betrieb erkennen

Mastitiskennzahlen helfen dabei, die Eutergesundheit genau im Blick zu behalten und Problemen frühzeitig zu begegnen.

In vielen Bereichen der Nutztierhaltung ist es seit langem üblich, mit Kennzahlen zu arbeiten. Sei es im Schweinebereich z. B. die Anzahl der geborenen oder abgesetzten Ferkel, seien es der Besamungsindex oder die Zwischenkalbezeit im Fruchtbarkeitsmanagement der Milchkühe. Anders ist es bei der Eutergesundheit. Wer weiß schon genau, was sich z. B. hinter der Neuinfektionsrate in der Trockenperiode verbirgt? Es gibt durchaus auch Kennzahlen für die Eutergesundheit, aber ihre Anwendung ist noch wenig verbreitet. Dabei helfen sie uns enorm, Schwachstellen im Betrieb hinsichtlich der Eutergesundheit aufzudecken.


Nachhaltige Konzepte sind gefordert

Auch die Milchproduktion wird sich in der Zukunft neuen Herausforderungen stellen müssen. Von Seiten der Verbraucher und der Politik wird ein verantwortungsvoller Umgang mit Antibiotika und eine deutliche Reduktion ihres Einsatzes gefordert. Aber noch immer gehen zwei Drittel der Antibiotika, die im Milchviehbereich eingesetzt werden, in die Mastitistherapie inklusive Trockenstellbehandlung. Deshalb werden nachhaltige Konzepte zur Verbesserung der Eutergesundheit gefordert. Solche Konzepte erfordern neben einer genauen Beschreibung des aktuellen Gesundheitszustandes einer Herde eine Definition von konkreten und auch erreichbaren Zielen. Erst dann kann eine dem Betrieb angepasste Strategie zur Erreichung dieser Ziele entwickelt werden.
Um den aktuellen Gesundheitszustand einer Herde beschreiben und um Ziele definieren zu können, sind Kennzahlen sehr hilfreich. Mithilfe solcher Kennzahlen ist es sehr viel einfacher herauszufinden, wo es Risikobereiche im Betrieb gibt. Ist es bei den Laktierenden oder bei den Trockenstehern oder haben sogar schon die Färsen vor der Kalbung ein Problem? Sind Ursachen für zu hohe Milchzellgehalte in der Fütterung, in der Haltung oder bei Melktechnik und Melkarbeit zu suchen? Gemeinsam mit einer Leitkeimbestimmung (gezielte stichprobenartige Milchprobenuntersuchung zur Identifizierung des wichtigsten Mastitiserregers im Betrieb) helfen uns Mastitiskennzahlen, den Betrieb hinsichtlich der Eutergesundheit besser zu verstehen und den Produktionsprozess zu überwachen.

Mehr Überblick mit MLP-Kennzahlen

Für die Entwicklung von Kennzahlen brauchen wir neben einer konsequenten betrieblichen Dokumentation eine kontinuierliche Auswertung der Milchleistungsprüfungs-(MLP)-Daten.
Regelmäßig und aktuell liefern die MLP-Daten wichtige Parameter zur Bestimmung von Kennzahlen für die Eutergesundheit. Die Auswertung der MLP-Daten hilft uns nicht nur, die gesamtbetriebliche Situation besser zu analysieren, sie erlaubt uns auch eine genauere Einzeltierwahrnehmung. So macht es einen Unterschied sowohl für die Therapie als auch für die Prognose, ob wir eine akut erkrankte Mastitiskuh vor uns haben, bei der erstmalig die Zellzahlen in die Höhe schießen, oder ob es sich um eine klinische Mastitis einer Kuh handelt, die schon seit Monaten viel zu hohe Zellzahlen hat. Im ersten Fall ist das Ziel der Behandlung nicht nur eine klinische, sondern auch eine zytologische Heilung. Klinische Heilung bedeutet, dass das Euter von außen feststellbar wieder intakt ist. Das ist zumeist nach zwei bis drei Tagen der Fall. Zytologische Heilung meint, dass so eine Kuh wieder dauerhaft unter 100.000 Zellen/ml Milch kommt. Bei Problemkeimen wie Strep. uberis oder Staph. aureus kann das schwer zu erreichen sein und bis zu einer Woche dauern.
Mit einer konsequenten und ausreichend langen Therapie haben wir bei Kühen mit erstmalig erhöhten Zellzahlen eine gute Chance, diese wieder dauerhaft unter 100.000 Zellen/ml Milch zu bringen. Hingegen bei Kühen, die schon lange hohe Zellzahlen haben, besteht nur eine sehr geringe Chance,dass diese dauerhaft wieder unter 100.000 Zellen/ ml Milch kommen. Ziel ist hier lediglich eine klinische Symptomfreiheit, sodass das Tier noch eine Zeitlang genutzt werden kann.
Aus den MLP-Daten kann man die Kennzahlen händisch errechnen. Bequemer ist es, sie über Herdenbetreuungsprogramme zu entwickeln. Die Bewertung der einzelnen Parameter muss dabei immer im Gesamtzusammenhang vorgenommen werden.
Neben dem Monitoring des Mastitisgeschehens in der Laktation bestehen ebenso Kennzahlen für die Eutergesundheit in der Trockensteherzeit. Die Effektivität des Trockenstellens lässt sich anhand der Kennzahlen Ausheilungsrate und Neuinfektionsrate berechnen.
Immer wieder wird die Frage gestellt „Muss ich eigentlich jede Kuh mit einem antibiotischen Trockensteller behandeln oder kann ich vielleicht sogar ganz darauf verzichten?“. Ein Trockenstellen ohne antibiotischen Trockensteller für die Kühe mit weniger als 100.000 Zellen ist eine Möglichkeit, wenn:
◼ Herdenzellzahl <100.000 Zellen/ml Milch und
◼ Neuinfektionsrate in der Trockenperiode <15% und
◼ Klinische Mastitiden in den ersten 30 Tagen nach dem Kalben <5%
Die Tiere ab 100.000 Zellen sollten auch in diesen Herden nach wie vor antibiotisch trockengestellt werden.

Zum Vergrößern aufs Bild klicken

Artikel herunterladen

 


       
       
   

© 2013 Boehringer Ingelheim Vetmedica GmbH, Deutschland. Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsbedingungen. Letztes Update: 27. Mai 2013