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Landwirtschaftsmeister Gerd Luks bewirtschaftet
gemeinsam mit seiner Ehefrau Petra einen 93 ha
großen Milchviehbetrieb in Jade-Schweiburg an
der Nordsee. Die Leistung seiner 106 Holstein Friesian-
Kühe beträgt durchschnittlich 10 369 kg Milch pro
Kuh und Jahr bei 3,8 % Fett und 3,4 % Eiweiß.
Diese hohe Leistung ist nur mit einem ausgefeilten
Management und bester Tiergesundheit zu erreichen
und vor allem zu halten. Deshalb beunruhigte es Gerd
Luks ganz besonders, als es 2006 um seine Färsen
plötzlich gesundheitlich schlecht stand. „Damals hatten
fast alle meine Färsen Gebärmutterentzündungen
nach dem Abkalben, die Gebärmutter reinigte sich
einfach nicht ordentlich. Dazu kamen unerwartet
viele Fälle von Zwischenschenkelekzemen. Das alles
musste aufwändig behandelt werden. Zudem waren
die Kälber der betroffenen Färsen lebensschwächer
als sonst“, erinnert sich der Landwirt.
DNeben den direkten Auswirkungen in Form von
Behandlungskosten kam noch hinzu, dass Luks
in der Regel einen Teil der Färsen nach dem
ersten Abkalben verkauft. Das war aufgrund des Zwischenschenkelekzems in dem Jahr
nicht möglich und bedeutete zusammen mit den
Fruchtbarkeitsproblemen der Tiere (einige Färsen
wurden nach dem ersten Abkalben nicht mehr tragend
und schieden deshalb aus der Produktion
aus) einen wirtschaftlichen Verlust. Der Hoftierarzt,
Dr. Asmus Erichsen, vermutete einen Mangel an
Spurenelementen, da vor allem die Ekzeme dafür
typisch seien. Dieses küstennahe Gebiet rund um
den Jadebusen ist traditionell ein Selenmangelgebiet.
Doch nicht nur ein zu geringer Gehalt im Grundfutter
am jeweiligen Element verursacht einen Mangel.
Spurenelemente werden im Magen-Darm-Trakt als
Ionen aufgenommen und müssen dazu in Wasser
oder Säure gelöst sein. Ein ungünstiges Verhältnis
der Spurenelemente untereinander oder eine pHWert-
Verschiebung im Pansen (Azidose) kann die
Verfügbarkeit für den Stoffwechsel beeinträchtigen
und so einen Mangel entstehen lassen. Neben Selen
betrifft dies auch häufig Eisen, Zink und Kupfer.
Blutproben, die der Tierarzt auf Selen untersuchen
ließ, bestätigten den Selenmangel. Die Werte in der
Übersicht zeigen deutlich, dass bei den deckfähigen
und tragenden Rindern ein eindeutiger Selenmangel
vorhanden war. Die Werte der Kühe dagegen lagen
alle um den Mindestwert von etwa 70 µg Selen je Liter
Serum. Ein auffälliger Mangel war bei den Kühen also
nicht vorhanden, bestens versorgt waren sie allerdings
auch nicht.
„Die Kühe erhalten über das Mineralfutter und Kraftfutter
zusätzliche Mineralien und Spurenelemente,
deswegen haben sie wohl keine Probleme. Die
Lecksteine, mit denen ich die Färsen auf der Weide
versorge, reichen dagegen offensichtlich nicht aus.
Die Tiere gehen nicht alle gleichmäßig an die Leckmassen,
die Aufnahme der Spurenelemente erfolgt
dadurch völlig unkontrolliert“, vermutete Gerd Luks.
Dass die Krankheitszeichen so plötzlich auftraten, liegt
daran, dass Mangelsymptome oft erst nach längerer
Zeit der Unterversorgung vor allem in Stress-Situationen
entstehen. Bei langanhaltendem Mangel treten dann
deutlich erkennbare klinische Symptome auf wie in
diesem Fall die Haut- und Gebärmuttererkrankungen
und die kümmernden Kälber. Zudem sind die
Symptome häufig nicht eindeutig einem Element
zuzuordnen. Zwischenschenkelekzeme und entzündliche
Hautveränderungen allgemein deuten allerdings
auf einen Selen- oder auch Zinkmangel hin. Haben
die tragenden Tiere bereits einen Selenmangel, was
vor allem bei Färsen häufig vorkommt, werden ihre
Kälber schon mit einer Selenunterversorgung geboren.
Gerade Kälber erkranken bei einem Selenmangel
schneller und stärker. Bei hochgradigem Mangel
können sie auffallend ungleichmäßige Bewegungen
zeigen. Die Muskulatur ist nur schwach entwickelt,
das Tier magert ab.

Der Selenmangel musste dringend behoben werden,
deshalb entschied Luks gemeinsam mit seinem
Tierarzt, eine Selenergänzung in Form eines
Langzeitbolus von Boehringer Ingelheim bei den
Färsen auszuprobieren. Damit ist im Gegensatz zu den
Leckschalen eine sichere und gezielte Versorgung der
einzelnen Tiere möglich. Mit diesem Spurenelementbolus,
der seit 2006 auf dem deutschen Markt
erhältlich ist und von dem Milcherzeuger Luks auf
einer Veranstaltung erfahren hatte, werden die Tiere
über einen Zeitraum von bis zu sechs Monaten
gezielt und sicher mit Selen, Kupfer sowie Kobalt
versorgt. „Die Wirkungsdauer ist abhängig von der
Fütterung bzw. vom dadurch beeinflussten pH-Wert
im Pansen: Bei Weidehaltung beträgt sie etwa sechs
Monate, bei hohem Kraftfutteranteil etwas mehr als
vier Monate. Der lösliche Glasbolus sitzt in der Haube
des Rindermagens und gibt die Spurenelemente
kontinuierlich an den Organismus ab“, erklärt Tierarzt
Erichsen das Wirkprinzip. Auf den britischen Inseln
wird diese Form der Spurenelementergänzung seit
längerem praktiziert. Als zugelassenes Arzneimittel wird der Bolus direkt vom Tierarzt bezogen.
Die Eingabe der pro Tier notwendigen
zwei Boli erfolgt über einen speziell
dafür entwickelten Boluseingeber
und kann vom geübten Landwirt selbst
durchgeführt werden.

Gleich im Frühjahr 2007 gab Luks den
tragenden Färsen, die von August bis
November kalben sollten, vor dem
Weideaustrieb jeweils zwei Boli. „Das
musste so schnell wie möglich passieren,
denn wenn selenunterversorgte
Färsen, die ja selbst noch wachsen, im
Spätsommer ihre Kälber gebären, kommen
diese gleich mit einem Selenmangel
zur Welt und die Katastrophe ist vorprogrammiert“,
betont Gerd Luks. Den
Färsen, die im Winter kalben sollten,
verabreichte er dann im Herbst beim
Aufstallen im letzten Drittel der Trächtigkeit
je zwei Boli. Die Besserung stellte sich
schnell ein. „Bis Dezember haben schon
viele Färsen gekalbt, und nicht eine
hatte ein Zwischenschenkelekzem. Die
Gebärmutterentzündungen traten auch
so gut wie gar nicht mehr auf. Die Kälber
aus diesen Färsen waren wieder so fit,
wie ich mir das wünsche. In Anschluss
ließ ich erneut Blutproben ziehen, um den
Erfolg zu kontrollieren, und die Ergebnisse
zeigten eine deutliche Verbesserung der
Selenversorgung“, sagt der Landwirt.

Neben Selen ließ Gerd Luks Ende 2007
auch noch fünf Kühe auf Kupfermangel
untersuchen, weil er bei einigen Tieren
die sogenannte Brillenbildung, also das
Aufhellen der Fellfarbe rund um die
Augen, beobachtet hatte. Anhand der
Ergebnisse konnte nur bei einer der Kühe
akuter Kupfermangel festgestellt werden, die anderen
litten allerdings an sekundärem Kupfermangel.
Ein sekundärer Mangel zeigt sich nicht in niedrigen
Kupfergehalten. Er lässt sich ermitteln, indem
das Verhältnis der Aktivität kupferhaltiger Enzyme
(Caeroloplasmin) zum Kupfergehalt im Blutplasma
bestimmt wird. Ein sekundärer Kupfermangel entsteht
häufig, wenn die Tiere eigentlich genügend
Kupfer aufnehmen, dieses allerdings durch bestimmte
Inhaltsstoffe in Futter oder Wasser so gebunden
wird, dass es den Tieren nicht mehr zur Verfügung
steht. „Wahrscheinlich liegt es am hohen Eisengehalt
des Grundwassers, welches die Tiere auf der Weide
saufen“, so die Vermutung von Gerd Luks. Da
in dem Bolus auch Kupfer enthalten ist und weil
seine Kühe bei der ersten Untersuchung auch nicht
die besten Selenwerte aufwiesen, verabreicht der
Milchviehhalter mittlerweile auch den Kühen beim
Trockenstellen jeweils zwei Boli. Aufgrund der jetzt
guten Tiergesundheit wird Gerd Luks in diesem
Jahr wieder Färsen verkaufen können. Neben der
Wirtschaftlichkeit ist ihm wichtig, dass es den Tieren
wieder gut geht, „denn wenn die Tiere krank sind, ist
man als Landwirt auch gestresst.“
Dr. Heike Engels
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