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Henry van Asten hat mit seiner Familie in
insgesamt fünf Standorte in Thüringen investiert:
Nordhausen, Neumark, Uthleben, Immenrode
und Gommla. Während in Neumark nur Sauen und
Aufzuchtferkel stehen, sind die anderen Standorte
Sauen-, Flatdeck- und auch Mastanlagen. Jeder
Betrieb wird separat bewirtschaftet, einzig die
Betriebsabläufe sind standardisiert. „Wir machen
an allen Standorten, ob nun hier oder in Holland,
alles gleich, sodass im Prinzip ein Mitarbeiter aus
Nordhausen in Helmond sofort losarbeiten kann, und
andersherum genauso“, erklärt Henry van Asten die
Firmenphilosophie.
Angefangen hat alles 1974, als Henry van Asten,
gelernter Landwirt, seine Frau heiratete. Sie starteten
in Holland mit 275 Sauen und erweiterten allmählich
bis Anfang der 90er Jahre auf 3.200 Sauen, 18.000
Mastplätze und Jungsauenaufzucht. „Dann konnten
wir in Holland nicht mehr erweitern, deshalb kauften
wir 1997 erst Nordhausen und dann die anderen
Anlagen in Thüringen. Wir bauten viel um, denn z. B.
hier in Neumark wollten wir eigentlich Mast betreiben,
doch die Ställe waren zu niedrig, es gab zu wenig
Luftvolumen für die Mast. Deshalb bauten wir alles
auf Sauen um“, so Henry van Asten.

Tiergesundheit ist damals wie heute das A & O. So
große Tierbestände mit Tierverkehr untereinander
müssen extrem gut gemanagt werden, um die
vorhandenen Erreger in Schach zu halten bzw. neue Erreger am Eindringen zu hindern. Ein großer
Pluspunkt liegt bereits in der Standortwahl. „Der
Vorteil in Ostdeutschland ist, dass man weit weg
ist vom nächsten Schweinebetrieb, in Holland sind
es nur 400 m, hier sind es bis zu 10 km. Uthleben
und Gommla waren so voller Krankheiten, dass wir
uns entschieden haben, die Anlagen leer zu fahren
und ganz neu mit SPF-Tieren anzufangen. Hier in
Neumark haben wir auch SPF-Status. Das bedeutet,
wir sind frei von Mykoplasmen, PRRS, APP, Räude,
Rhinitis und Dysenterie. Nur Nordhausen hat keinen
SPF-Status, deshalb ist dieser Standort von der
Tiergesundheit her auch nicht mit den anderen
Betrieben vergleichbar“, erklärt Sohn Roland van Asten
die Situation. Er ist der Geschäftsführer der Tierzucht
Neumark. „In Nordhausen haben wir Mykoplasmen
und PRRS, sind aber frei von Räude, Rhinitis und
Dysenterie. Große Anlagen wie Nordhausen kann
man schlecht leer fahren, das ist sehr teuer.“ Obwohl
sich der Neuanfang mit SPF-Tieren durchaus rechne,
allerdings erst nach einigen Jahren.
Um die Tiergesundheit hoch zu halten, achten
die van Astens auf ein hohes Biosecurity-Niveau.
Es gibt zwar keine UV-Entkeimung oder sonstige
Filtersysteme gegen Viren, doch fahren nur eigene
LKW betriebsintern und für den Transport der
Babyferkel zwischen den vier Anlagen hin und her.
Zudem erfolgt kein Jungsauenzukauf, sondern sie
remontieren ihre Zuchtsauen komplett selbst. Fremd-
LKW für den Abtransport der Mastferkel fahren eine
andere Rampe an. Die Anlagen sind vogelsicher, es
erfolgt eine regelmäßige Schädlingsbekämpfung in
drei Verteidigungsringen – am Zaun, am Stall und im
Stall.
„Hier in Neumark haben wir bei den Neubauten darauf
geachtet, das Flatdeck getrennt von der Sauenhaltung
zu bauen. Der Eintritt in den Stall erfolgt überall nur
nach Einduschen, auch beim Wechsel zwischen
den Abteilungen wird geduscht. Wir stellen spezielle
Kleidung. Alles Material geht zuerst in einen speziellen
Schrank, dort bleibt es 14 Tage, erst dann geht es in
den Stall. Alles was nötig ist, befindet sich im Stall,
wir nutzen keine gebrauchten Sachen, alles wird neu
gekauft. Die Mitarbeiter dürfen keine Schweine halten
und keine Jäger sein. Mit diesen Maßnahmen wollen
wir den Erregereintrag so gering wie möglich halten“,
erklärt die Produktionsleiterin von Tierzucht Neumark,
Doreen Schillkamp. Sie hat während des Studiums in
der Anlage gearbeitet und ist seit etwa einem Jahr in
Neumark als Produktionsleiterin tätig.

Eine sehr wichtige Maßnahme zur Vorbeugung sind
Impfungen. „Alle Ferkel werden gegen Circovirus
geimpft, das verlangen unsere Kunden, ansonsten
impfen wir hier in Neumark die Jungsauen bzw. Sau
en gegen Parvovirose/Rotlauf, E. c oli und Influenza.
Gegen Mykoplasmen müssen wir hier nicht impfen,
doch manche Kunden verlangen es“, erklärt Doreen
Schillkamp. Sogar das Zuchtsperma, das aus den
Niederlanden kommt, wird mittels PCR auf PRRS
untersucht und erst nach Erhalt der Analyseergebnisse
zur Besamung freigegeben.
Und Roland van Asten ergänzt: „Zurzeit halten wir
hier Jungsauen vor, um unseren neuen Betrieb in
Sterksel für 4.000 Sauen mit eigenen Jungsauen
anfahren zu können. Die Jungsauen, die nach Holland
gehen, werden in Holland trotz PRRS-Freiheit gegen
PRRS geimpft, damit die Herde sauber bleibt. Denn
PRRS kommt doch irgendwann durch die Luft in den
Stall, die Region um Sterksel ist sehr schweinedicht.“

In Nordhausen wird ein anderer Impfplan gefahren.
Die Fachtierärztin für Schweine Patricia Roesner,
zuständig für Nordhausen, erklärt, warum: „Wir
haben hier diverse Felderreger im Bestand, z. B.
Mykoplasmen, PRRS und auch Circoviren, dagegen
impfen wir die Ferkel um den 20. Lebenstag mit
dem neuen Kombiimpfstoff gegen Mykoplasmen und
PCV2 und zeitgleich gegen PRRS. Das klappt gut,
es gibt keine Auffälligkeiten am Schlachthof, keine
Symptome in der kritischen Mastphase. Vor allem der
Kombiimpfstoff erspart uns viel Zeit und bei der zu
impfenden Ferkelmenge – wir impfen in Nordhausen
über 3.000 Ferkel in der Woche – sogar eine ganze
Arbeitskraft. Zudem ist es weniger stressig fürs Tier,
wenn man Impfungen kombiniert geben kann. Neu
ist, dass wir die künftigen Jungsauen mit vier Wochen
auch gegen Ileitis impfen. Alle Sauen erhalten die
Parvovirose/Rotlauf-, Influenza- und Coli-Impfung.
Der Erregerstatus wird einmal im Jahr per Blutprobenscreening
je Produktionsgruppe kontrolliert,
und wir arbeiten mit dem Schweinegesundheitsdienst
Thüringen im Rahmen seines Monitoring-Programms
speziell auf Mykoplasmen und PRRS zusammen. So
passe ich dann jährlich die Impfpläne an, je nachdem,
wo ich einen Feldvirus sehe. Aufgrund der Impfungen
haben wir aktuell nur 15 Cent Medikamentenaufwand
in der Mast pro Durchgang, und orale Antibiotika sind
eigentlich nur noch im Flatdeck nötig“, zeigt sich die
Tierärztin sehr zufrieden.
Doch nicht nur im Tiergesundheitsmanagement
ist die Familie van Asten ganz vorne. Auch die
biologischen Leistungen können sich sehen lassen:
„Alle Betriebe, die lange laufen, werden von den
Leistungsdaten her miteinander verglichen. Wir haben
eine Remontierungsrate von 45 %, Sauenverluste von
3 bis 5 %, 3,8 bis 4 Würfe und 29 abgesetzte Ferkel
je Sau und Jahr. Das ist alles schon gut, aber wir
wollen auf über 30 Ferkel je Sau und Jahr kommen
und die Verlusttage je Sau und Jahr auf maximal 14
reduzieren. Derzeit liegen sie in Neumark bei knapp
27 Tagen“, so Roland van Asten.

Derzeit wollen die van Astens die Tierzuchtanlage
Neumark noch erweitern, und eine Biogasanlage
soll gebaut werden. Die Pläne sind
bereits fertig, nun wartet man auf
die Genehmigung. Zusätzlich gilt
es, die neue Anlage in Sterksel,
Holland, zum Laufen zu bringen.
Hier wird Sohn Marko die Geschäfte
führen. Den Status quo auch in
schwierigen Zeiten mit niedrigem
Schweinepreis zu halten, ist das
langfristige Ziel. „Wichtig ist in
einem globalen Markt: Wir müssen
die Besten sein, das geht über
Qualität und vor allem über eine
hohe Tiergesundheit mit wenig
Medikamenten“, ist sich Henry van
Asten sicher. „Ein gut strukturierter
Betrieb mit entsprechender
Größe, guten Mitarbeitern und der
Philosophie der gesundheitlichen
Vorbeugung hat auch heute noch
gute Chancen, mit Schweinen Geld
zu verdienen.“
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