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Impfungen stellen mittlerweile
einen zentralen
Bestandteil in den
Betriebsabläufen der modernen
Schwei neproduktion dar.
Sie leisten einen signifikanten
Beitrag zum Schutz der
Tiergesundheit und sichern
so den wirtschaftlichen
Erfolg der Betriebe. Dennoch
gibt es Bestrebungen,
die Wirksamkeit und
Verträglichkeit der
Impfstoffe noch weiter zu
verbessern, sowie den
Arbeitsaufwand beispielsweise
durch die Entwicklung
von Einmalimpfstoffen
erheblich zu reduzieren.
Aufgrund aktueller immunologischer
Erkenntnisse
und immer strengeren
Qualitätsstandards für
Schweinefleisch ist in diesem
Zusammenhang die nadellose
Injektion von Impfstoffen und Medikamenten in
den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Bei der nadellosen
Injektion handelt es sich jedoch keineswegs
um ein neues Verfahren zur Injektion von Impfstoffen.
In der Humanmedizin werden Systeme, die auf diesem
Prinzip beruhen, bereits seit 1930 für Impfungen
eingesetzt.

Aus immunologischer Sicht zeichnet sich die nadellose
Injektion im Vergleich zur herkömmlichen Injektion
I
theoretisch durch ein besonderes Verteilungsmuster
der injizierten Flüssigkeit im Gewebe aus. Während
bei der herkömmlichen Injektion eine Blase entsteht,
soll sich bei der nadellosen Injektion die Flüssigkeit
netzartig im Gewebe verteilen. Das hätte bei einer
Impfung, vor allem bei einer intradermalen Injektion
den Vorteil, dass der Impfstoff mit einer höheren Anzahl
von Immunzellen in Berührung kommt. Dadurch kann
man das Volumen des Hilfsstoffs, der die Wirkung
des Impfmittels verstärkt, reduzieren – nicht jedoch
die für den Aufbau eines belastbaren Impfschutzes
benötigte Menge des Antigens.

Bis jetzt hatten in der Schweineproduktion allerdings
die herkömmlichen Spritzen mit Nadel zur intramuskulären
Applikation von Impfstoffen aufgrund ihres geringen Preises und ihrer einfachen, für
jedermann schnell erlernbaren Handhabung
die Nase vorn. Hier liegt demnach auch
möglicherweise einer der größten Nachteile
der nadellosen Injektoren begründet. Im
Vergleich ist der Einsatz dieser Technik
mit deutlich höheren Anschaffungs- und
Unterhaltungskosten der Geräte verbunden.
Zudem bedarf es einer wesentlich
intensiveren Einarbeitungsphase sowohl
hinsichtlich der Bedienung und Wartung als
auch der Anwendung, um die nadellosen
Injektoren korrekt zu bedienen. Bei der
Anwendung ist insbesondere auf den richtigen
Injektionswinkel von 90 ° zu achten.
Ein falscher Ansatzwinkel beeinflusst zum
einen die Verteilung im Gewebe negativ und
kann zum anderen zu Gewebeverletzungen
im Bereich der Injektionsstelle führen. Dies
gilt natürlich ebenfalls, wenn auch in geringerem
Maße, für die intramuskuläre Injektion
mit einer Nadel.


Zusätzlich zu den Kosten, die von den
meisten Landwirten als hoch empfunden
werden, kommt erschwerend hinzu,
dass nadellose Injektoren bis jetzt nicht im
Stande sind, herkömmliche Spritzen auf den
Betrieben vollständig zu ersetzen, sodass
mit zwei unterschiedlichen Systemen gearbeitet
werden muss (siehe dazu auch die
Übersicht: „Drei nadellose Injektoren im
Vergleich“). Hauptgründe hierfür sind eine
in Teilen fehlende Flexibilität bezüglich der
einsetzbaren Injektionsflüssigkeiten sowie
der Injektionsvolumina. So ist zum Beispiel
das Injektionsvolumen beim IDAL-System unveränderlich auf 0,2 ml festgelegt. Zudem benötigt
man für das Gerät einen speziellen IDAL-Impfstoff
vom Hersteller. Derzeit ist nur ein einziger Impfstoff für
diese Anwendung zugelassen. Praktisch ist neben der
variablen Einstellmöglichkeit des Injektionsvolumens
– mit Ausnahme von IDAL – die Möglichkeit, zwischen
intramuskulärer, subkutaner und intra- bzw.
transdermaler Injektion zu wählen. Dies erfolgt bei
dem Acushot-System durch verschiedenfarbige
Pistolenaufsätze, die dem Alter bzw. der Größe
der Tiere entsprechend ausgewählt werden können.
Beim „MS Pulse“ erfolgt diese Einstellung über den
Injektionsdruck.

Ein weiterer Vorteil der neuen Technik ist, dass die
Verwendung von Nadeln überflüssig wird und somit
die bekannten Nachteile entfallen. In erster Linie wird
hier die weniger schmerzhafte und infolge dessen für
die Tiere auch weniger stressvolle Injektion erwähnt.
Im Sinne der Sicherung der Qualitätsstandards ist
die Vermeindung von abgebrochenen Nadeln sowie
das verringerte Risiko der Erregerübertragung und
Abszessbildung von Bedeutung. Dem Landwirt stehen
durch den Einsatz der neuen Technik Alternativen
zur Impfungen im Nacken zur Verfügung. Allerdings
können Impfstoff bedingte Abszesse, im speziellen
durch Mineralöl haltige Produkte, auch weiterhin
auftreten. Ein ebenfalls nicht zu verachtender Faktor
ist das gesenkte Verletzungsrisiko für den Anwender,
die besonders bei der Verwendung der oben
genannten Impfstoffe und kontaminierten Nadeln zu
Entzündungen führen können. Ein ebenfalls positiver
Effekt für den Anwender ist der gelenkschonendere
Einsatz, da im Gegensatz zur herkömmlichen Technik
keine Kraft für die Impfung aufgewendet werden
muss.
Des Weiteren gilt es zu bedenken, dass es infolge
eines technischen Defektes zum Ausfall des Gerätes
kommen kann. Zwar wird von den Herstellern ein
schneller Ersatz binnen weniger Stunden garantiert,
dennoch muss die Impfmaßnahme falls kein
Ersatzgerät im Betrieb vorhanden ist, unterbrochen
werden. Von Vorteil ist hier die Möglichkeit, die
Impfstoffflaschen aus dem AcuShot sowie MS Pulse
einfach auf herkömmliche Injektoren umzustecken
und so den Impfvorgang ohne Zeitverlust fortzusetzen,
da diese Systeme mit den gängigen Impfstoffen bzw.
Impfstoffflaschen arbeiten. Das IDAL-System hingegen
benötigt spezielle Impfstoffe mit konzentriertem
Antigengehalt, die bei einem Ausfall des nadellosen
Injektors nicht mit einer herkömmlichen Spritze kompatibel
sind. Aufgrund der eingebauten Technik müssen
alle Geräte in regelmäßigen Abständen gewartet
werden. Dies ist mit mehr Aufwand verbunden als
die Reinigung und Desinfektion der herkömmlichen
Spritzen.
Zusammenfassend kann man sagen, dass die nadellose
Injektion derzeit hauptsächlich Anwendung
bei der Sauenimpfung findet, da durch alternative
Injektionsstellen, wie der Perianalgegend, die Impfung
der Sauen mit geringerem Stress für die Tiere verbunden
ist. Mit der Verfügbarkeit von Mischimpfstoffen
für Ferkel wird diese Injektionstechnik auch hier vermehrt
zum Einsatz kommen. Aufgrund ihres hohen
Anschaffungspreises und intensiveren Einarbeitungssowie
Wartungsaufwand rechnen sich die nadellosen
Injektionssysteme zurzeit jedoch nur für große Betriebe.
Allerdings könnten die Geräte durch ein breites
Einsatzspektrum, das heißt große Auswahl anwendbarer
Flüssigkeiten, einstellbare Injektionsvolumina
und Applikationsarten, auch für kleinere Betriebe von
Interesse sein. Ein Vorteil der nadellosen Injektion ist
das gesenkte Risiko der Erregerverschleppung und
Abszessbildung an der Einstichstelle infolge kontaminierter
Nadeln.
Impfstoffe sind unbestritten eine Errungenschaft
der modernen Pharmaforschung. Sie dienen der
Tiergesundheit und dem Verbraucherschutz gleichermaßen.
Für die Zukunft wäre es wünschenswert, wenn
die forschenden Unternehmen Impfstoffe produzieren
würden, die nach Art eines Baukastenmoduls je nach
Erregerlage in den Betrieben bzw. der Region miteinander
gemischt werden können. Dadurch wird eine
Verringerung der Anzahl Injektionen für Ferkel und
Schweine erreicht. So können zwar nicht zwangsweise
die Kosten gesenkt werden, es erleichtert allerdings
den nicht unerheblichen Arbeitsaufwand der
Ferkelerzeuger.
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