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Die Kosten für die tierärztliche
Versorgung von Sauen und Ferkeln
sind in den vergangenen
Jahrzehnten permanent gestiegen.
Am Beispiel von Zahlen aus einer
Schweinebetreuungspraxis ist erkennbar,
dass sich die Kosten in der Ferkelerzeugung
und der Mast gegenläufig
entwickelt haben. Die Tierarztkosten pro
Sau und Jahr lagen 1990 durchschnittlich
bei rund 30 €, während sie 2008
bei etwa 100 € lagen. Dagegen sind die
Kosten für ein Mastschwein von um die
6 € in 1990 auf rund 3 € in 2008 gefallen.
Worin liegen die Gründe für diese
gravierende Verschiebung? Sicherlich
nicht an gestiegenen Produktpreisen für
die verschriebenen und verwendeten
Arzneimittel. Die Aufschläge auf den Einkaufspreis für
die Arzneimittel sind in den vergangenen Jahren deutlich
rückläufig. Folglich müsste die Ursache in einem
erhöhten Verbrauch von Arzneimitteln liegen. Doch ist
das wirklich so?
Wie sah die betriebliche Situation bei Ferkelerzeugern und
Mästern 1990 aus? Im Schnitt hatten die Ferkelerzeuger
eine Betriebsgröße von rund 40 bis 50 Sauen. Die meist
im kontinuierlichen Rhythmus produzierten Ferkel wurden
von vielen kleineren Händlern wöchentlich eingesammelt
und zusammen mit Ferkeln aus anderen Betrieben
zum Mäster gefahren. Die größten gesundheitlichen
Probleme in den Ferkelerzeugerbeständen beruhten
meist auf dem fehlenden Rein/Raus-Prinzip und mangelnder
Desinfektion. Hauptprobleme waren damals
Durchfälle sowohl bei Saugferkeln als auch im Flatdeck,
MMA-Probleme bei Sauen und Atemwegsbeschwerden im Flatdeck. Streptokokken- und
Ileitis-Probleme waren überhaupt nicht
bekannt, was nach Meinung verschiedener
Experten auf den breiten Einsatz
von Leistungsförderern zurückzuführen
war, da sie den Infektionsdruck bei den
damals vorhandenen Erregern reduziert
haben. Hinzu kam eine sehr geringe
Tierdichte sowohl auf dem Betrieb
als auch in der direkten Umgebung.
Ebenfalls gab es nur vereinzelt Transporte
von Ferkeln in andere Bundesländer,
geschweige denn ins Ausland.
In der Mast gab es, bedingt durch das
„Crowding“ von Ferkeln, die bekannten
Probleme wie Atemwegserkrankungen,
Colidurchfälle und Dysenterie. Aufgrund
dieser strukturellen Probleme
und fehlender Impfstoffe ist der damals hohe therapeutische
und metaphylaktische Einsatz von
Antibiotika zu erklären.
In den 1990er-Jahren gab es wenige wirtschaftlich
bedeutsame, virusbedingte Erkrankungen. Neben den
Tierseuchen (Aujeszky, Schweinepest), die ein staatliches
Eingreifen nach sich zogen, existierten eigentlich
nur klassische Influenza, Parvovirose, Transmissible
Gastroenteritis (TGE) und Enzootische Virusdiarrhoe
(EVD). Dabei standen lediglich Impfstoffe gegen
Influenza und gegen Parvovirose zur Verfügung, die
bei Sauen eingesetzt wurden. Somit und aufgrund
des deutlich niedrigeren Produktionsniveaus sind die
geringeren Tierarztkosten von damals verständlich.

In den Jahren bis heute haben sich sowohl die
Betriebsstruktur, der globale Tierverkehr als auch die
Erregerlandschaft dramatisch verändert. Zusätzlich wurden aus Verbraucherschutzgründen alle Leistungsförderer
und tierischen Eiweiße aus den Futtermitteln entfernt.
Ebenfalls wurde die Konzentration von darmstabilisierenden
Mineralien und Spurenelementen wie Kupfer
und Zink stark zurückgenommen.
Die Betriebsgrößen sind deutlich gewachsen. Auch die
Konzentration von Schweinen in den Ballungsgebieten
hat sich vergrößert, obwohl die Gesamtzahl der
Betriebe abgenommen hat. Dies führte zu einer
Zunahme der Tierdichte auf den Betrieben und damit
zu einer Zunahme der Erregerkonzentrationen in
den einzelnen Produktionsstufen. Der Transport von
Tieren und Sperma im In- und ins Ausland wurde
in den vergangenen Jahren zum Alltag. Hierdurch
bestand für Krankheitserreger aus anderen Ländern
die Möglichkeit, sich in Deutschland auszubreiten.
Aus all diesen genannten Veränderungen sind heute
neue Krankheitsbilder und Erreger bekannt geworden.
Neben den schon bekannten Mycoplasmen,
tauchte das PRRS-Virus auf. Weitere Krankheiten wie
APP, Glässersche Krankheit, Ileitis, Streptokokken,
Salmonellen, neue Influenzastämme und die
Circovirose kamen hinzu.
Die Verwendung dieser Impfstoffe in Betrieben führt
in der Regel zu einer Verringerung bis hin zu einer
Beseitigung der klinischen Symptome. So lässt sich die
Produktion auf hohem Niveau fortführen. Gleichzeitig
steigt jedoch der Kostenfaktor „Tierarzt“ besonders
in der Ferkelerzeugerstufe deutlich. Jede Impfung, vor
allem Ferkelimpfungen, führen zu einer empfindlichen
Erhöhung der Kosten. Allein die Impfungen gegen
PRRS und Circovirose heben die Kosten auf einem
Betrieb um bis zu 90 € pro Sau und Jahr an. Zählt man
dann noch die Sauenimpfungen hinzu, so kommt man
schnell allein durch Impfungen auf 120 € pro Sau und
Jahr. Die darüber hinaus für die Versorgung der Sauen
und Ferkel notwendigen Arzneimittel (Antibiotika,
Hormone und Antiparasitika) lassen die Kosten auf bis
zu 180 € pro Sau und Jahr steigen.
Die Hauptkostenträger – die Ferkelimpfungen – werden
meist von den Mästern übernommen, sodass
sie für die Ferkelerzeuger als durchlaufender Posten
anzusehen sind. Diese Kosten tauchen zwar auf der
Kostenseite der Ferkelerzeuger auf, sollten aber korrekterweise
den Mästern zugeordnet werden. Zieht
man diese „kostenneutralen“ Impfungen von den
Gesamtkosten ab, so landen wir bei Kosten von 50
bis 90 € pro Sau und Jahr. Werden die verbliebenen
Kosten dann noch auf die verkauften Ferkel umgerechnet,
deren Anzahl sich von 1990 bis 2008 um
rund 3 Ferkel/Sau/Jahr erhöht hat, so relativieren sich
die Mehrkosten enorm.
Zur Vorbeuge gegen bestimmte Viruserkrankungen
ist der Einsatz von Impfstoffen unvermeidlich, da
andere Maßnahmen, wie der Antibiotikaeinsatz gegen
diese Erreger wenig ausrichten. Aber auch bestimmte
Impfstoffe gegen Bakterien wie Mycoplasmen
und Lawsonien können weit mehr bewirken als
die therapeutische Behandlung. Alternativ wird
versucht, durch den Aufbau äußerst gesunder
Tiergruppen und hohe Biosicherheitsmaßnahmen
die Ferkelerzeugerbestände gesünder zu machen.
Ziel wäre es, dass diese Herden auf einem hohen
Leistungsniveau arbeiten, dabei allerdings auf die
„teuren“ Ferkelimpfungen verzichten können. Generell
gesehen ist dieser Trend zu begrüßen und absolut
wünschenswert, allerdings nicht in allen Regionen
– vor allem dort wo viele Bestände dicht beisammen
liegen – durchführbar.

Impfstoffe sind unbestritten eine Errungenschaft
der modernen Pharmaforschung. Sie dienen der
Tiergesundheit und dem Verbraucherschutz gleichermaßen.
Für die Zukunft wäre es wünschenswert, wenn
die forschenden Unternehmen Impfstoffe produzieren
würden, die nach Art eines Baukastenmoduls je nach
Erregerlage in den Betrieben bzw. der Region miteinander
gemischt werden können. Dadurch wird eine
Verringerung der Anzahl Injektionen für Ferkel und
Schweine erreicht. So können zwar nicht zwangsweise
die Kosten gesenkt werden, es erleichtert allerdings
den nicht unerheblichen Arbeitsaufwand der
Ferkelerzeuger.
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